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Veranstaltungskalender zum Internationalen Lion Feuchtwanger-Jahr
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Thomas Hettche

Schriftsteller

- 1964 in Treis geboren
- Dr. phil., journalistische Arbeiten vor allem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung
- Heute: lebt als freier Schriftsteller in Frankfurt am Main
Preise (Auswahl): Robert-Walser-Preis und Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis für Essayistik.
- Letzte Veröffentlichungen: "Der Fall Arbogast. Kriminalroman", Köln 2001 (New York 2003), "Stellungen. Vom Anfang und Ende der Pornografie", Köln 2003.

 

Textprobe:

Thomas Hettche: Woraus wir gemacht sind. Roman. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2006, S. 250 – 260.

neunzehntes kapitel

 

Der Wind vom Pazifik

Zwei Palmenwipfel, an denen das warme Licht langsam abperlte. Ein Flugzeug schob sich ins Blickfeld, das hinter seinem Rücken den Himmel durchquert hatte, um nun zwischen den Palmen hindurch Kurs auf die Stadt zu nehmen, die dort unten in der Bucht verebbte, als wäre sie selbst nur eine Welle aus Häusern. Los Angeles, dachte er, und dachte an Barcelona, die römischen Ruinen unter dem Pflaster und an all den Müll der Zeiten.

Das Seitenruder der großen Passagiermaschine stand golden im Licht der Abendsonne. Links und rechts an den Tragflächen blinkten die stecknadelhellen Positionslichter. Er sah dem Flugzeug nach, das im Sinkflug über der Stadt niederging, und ihm fiel ein, daß er all das schon einmal in einem Traum gesehen hatte. In jenem Traum war der Himmel von einem ganz hellen Blau gewesen, und dieses Blau hatte ganz oben in der Kuppel, wo das All besonders schwer auf dem Himmelsgewölbe lastete, etwas Durchsichtiges. Wie das Weiße im Auge. Jeder betritt Amerika in seinen Träumen zuerst, dachte Niklas Kalf.

Er wartete auf der Terrasse des Hauses von Elsa Meerkaz und sah in die Bucht hinab. Unter ihm in den Hügeln einzelne weiße Villen, dazwischen schlängelt sich der Sunset Boulevard hindurch, und über die Bergkuppe hinweg sieht man auf den weitläufigen Strand von Venice. Von hier oben waren die dröhnenden Wellen nur weiße Striche, die regelmäßige Muster malten. Hohe Segel füllten die Bucht. Er wußte: Hier war das Ende der Reise. Dies war der Punkt, an dem die Vergangenheit in die Gegenwart mündete. Er hatte keine Erwartungen mehr. Unerbittlich der endlose Atem der Wellen, die heranrollen, sich brechen, in all ihrer weißen Gischt den Strand hinauflaufen, matt innezuhalten scheinen, um dann, wie einatmend, den Sand in einer gierigen Bewegung mit sich zurückzuzerren, während schon die nächste Welle hinabfällt auf den in hohem, lautem Zischen weggerissenen Strand, und so unaufhörlich die Küste zermahlt.

Der Garten krallt sich an den Hang, linker Hand ein kleiner Springbrunnen in einem niedrigen Bassin, eine riesige Pinie direkt an der Abbruchkante des Grundstücks, dort wo der Rasen hinter niedrigem, struppigem Buchsbaum an einer Geröllkante endet. Der Stamm ragt weit über diese hinaus, hat sicherlich über einen Meter im Querschnitt und teilt sich zwei Meter über dem Boden in zwei mächtige Äste, deren Wucherungen und Verwachsungen an eine Urzeitechse denken ließen, einen zweiarmigen Koloß, der sich haushoch aufrichtet. Einer der beiden Äste ist nahezu senkrecht nach oben gewachsen, als wolle er den anderen Hauptast ausbalancieren, der weit über den Abgrund hinausgreift.

Während Kalf den Baum betrachtete, entdeckte er im Grau der Rinde einen Vogel von ähnlichem Grau, der sich im selben Moment fallen ließ und mit wenigen Flügelschlägen an der Terrasse vorüberflog, um auf der rechten Seite des Grundstücks in einem riesigen Eukalyptus zu landen. Mit einem letzten, entschiedenen Flügelschlag verschwand der graue, schmale Vogel aus Kalfs Gesichtsfeld, während von der Pinie nun Geschnatter zu hören war. Kalf entdeckte das Nest, und dann sah er, wie der Vogel auf dem Rückflug und als mache das gar keine Mühe, sich einen der gelben Kolibris krallte, die in den blühenden Büschen schwirrten. Und bemerkte jetzt auch die kleinen, wie zusammengefegten Häuflein gelber Federn auf dem unendlich saftigen Rasen, den mexikanische Boys sicherlich zweimal in der Woche trimmten.

Die Autofahrt von Downtown nach Pacific Palisades führt über die 110 South und die Interstate 10 West und dann auf den Pacific Coast Highway, der zwischen dem Meer und einer Steilküste verläuft, einer sandigen, schlammigen Wand, deren tiefe Auswaschungen von Macchia überwuchert sind. Darüber und dazwischen kleine weiße Holzhäuser mit Pa­n­oramafenstern, und direkt am Meer hohe und sehr schmale, zum Highway fast fensterlose Strandvillen.

Kalf war zur verabredeten Zeit an der Adresse, die ihm Elsa Meerkaz genannt hatte, 520 Paseo Miramar. Eine kurvenreiche Straße hoch über dem Meer, an der alle Häuser versteckt hinter mannshohen Hecken und Mauern liegen. Eine alte Frau kam zur schmiedeeisernen Pforte, die er beim ersten Wort als jene österreichische Hausdame erkannte, mit der er so oft telephoniert hatte. Vorsichtig und langsam stieg sie vor ihm eine schmale Treppe hinab in einen kleinen Patio. Von dort ging es durch eine schwere hölzerne Eingangstür ins Haus und durch ein Wohnzimmer hinaus auf die breite Terrasse. Während er wartete, fragte er sich, was es bedeutete, daß er diesen Garten bereits im Traum gesehen hatte.

»It should be three, I think«, sagte eine kühle Stimme hinter ihm, und Elsa Meerkaz, nach der er sich überrascht umsah, setzte lächelnd hinzu: »Die jungen Falken, meine ich.«

Niklas Kalf nickte. Zögernd machte er noch eine kleine Verbeugung, als sie seine Rechte mit ihrer warmen, trockenen Hand ergriff. Auch, wenn er sich nicht eingestand, daß er von diesem Gespräch, auf das er schon so lange gewartet hatte, tatsächlich erhoffte, nun werde sich alles lösen und Liz bald schon wieder frei sein, hatte er doch Herzklopfen, als er sie nun zum ersten Mal ansah. Sie hatte ihr graues Haar mit einem Schildpattkamm hochgesteckt, aus dessen Perlmuttschimmer das Nachmittagslicht zu tropfen schien. Und ein weißer Schleier lag über ihren Pupillen wie der helle Lippenstift über der Kontur ihres Mundes. Sie sahen beide auf das Meer hinab, und ihr Lächeln wartete.

»Es sind wirklich Falken?«

»Aber ja doch. Ich schaue ihnen so gerne zu.« Sie sah ihn fast vertraulich an.

Kalf nickte. Die Nachmittagshitze lag über dem Meer wie ein schweres Parfüm.

»Ein wunderschöner Blick«, sagte er. »Fast wie am Mittelmeer.«

»Somebody who came here once said: It’s a little bit like your house in Sanary. Und es stimmt, der Sonnenuntergang gleicht wirklich demjenigen damals in Frankreich.«

»Waren Sie gern dort?«

»Es war wie eine Insel. Wir brauchten eine halbe Stunde zu Fuß bis ins Dorf.«

»Aber Sie hatten ein Auto?«

»Gewiß doch. I had a little car, a Renault, which was I don’t know how old. It was one of the first cars ever built, I think, and it was in terrible shape. Ach, da fällt mir ein: Ich muß Ihnen die Geschichte mit den Sternschnuppen erzählen.«

Niklas Kalf sagte nichts.

»Einmal wollte ich nach einem Abendessen ein paar Freunde nach Sanary zurückfahren, und gerade, als wir eingestiegen waren, sahen wir unzählige Sternschnuppen. It rained meteors. It was a beautiful, clear night, full of stars, and the meteors rained down. Ich weiß noch, es war im November 1933. It never happened before, such a rain, such a shower of meteorites. Big meteors. Sie haben uns nicht getroffen, weil sie verglühten, bevor sie die Erde erreichten, but it was all around.«

»Sie gingen in Ihrer Nähe nieder?«

»No, I told you, they didn’t, weil sie verglühten. Es kommt sehr selten vor, daß Meteoriten die Erde wirklich erreichen. It was more like fireworks, you know. Wir hatten so etwas noch nie gesehen. Ich parkte den Wagen, und wir stiegen aus, und jemand sagte: Let’s go down to the beach! Dort würden wir nicht von den Lichtern der Häuser gestört. Ich lief schnell zurück zum Haus, um Eugen zu holen, and we went also down the hill, the very steep street. Und als wir unsere Freunde gerade erreicht hatten, rollte der Wagen plötzlich los.«

»Ich verstehe nicht.«

»It just moved. It rolled directly in the direction of the three men. So I jumped on the running board and turned the steering wheel to the other side. Aber eines der Räder kam in eine Spurrille, der Renault überschlug sich und rollte über mich drüber. I touched myself: I didn’t feel anything at all, it seemed good. Doch plötzlich war überall Blut. My hand was full of blood. Im Krankenhaus fand man raus, mein Handgelenk was broken into twelve pieces.«

Sie standen noch immer auf der Terrasse und sahen aufs Meer hinaus. Und als Kalf nicht antwortete, führte sie ihn in den Garten hinab. Ein Tisch mit vier Korbstühlen war dort eingedeckt, ein Krug mit Limonade und zwei Gläser standen bereit und ein Serviettenspender aus Plastik. Elsa Meerkaz legte eine weiße Papierserviette neben sein Glas und schenkte ihnen ein. Sie hatte das Meer im Rücken. Hinter ihr setzte sich ein Kolibri auf den obersten Stengel eines Busches, der hellgrün im Wind wippte. Niklas Kalf räusperte sich und trank einen Schluck. Endlich war es soweit. Er spürte seine Wut auf diese Frau.

»Eine Frage.« Das Herz schlug ihm bis zum Hals. »Warum haben Sie mich verraten?«

Sie lächelte dünn. »Verraten?«

»Natürlich. Oder wie soll man es nennen, daß Sie Venus Smith darüber informiert haben, wo ich mich aufhielt?«

»Das stimmt nicht. Ich kenne niemanden mit Namen Venus Smith.«

»Aber Jack Jackson.«

»Ja. Ein Filmproduzent, der Interesse an Ihrem Meerkaz-Buch hat.«

»Unsinn. Der hat wohl vor allem Interesse an den Geheimnissen Ihres Mannes.«

»Ich wüßte nicht, was für Geheimnisse das sein sollten.«

Kalf schüttelte den Kopf. »Man hat in Marfa versucht, mich umzubringen. Man hat meine Frau entführt. Ich habe Hinweise, daß sie mißhandelt wurde. Seien Sie endlich ehrlich mit mir!«

»Das tut mir wirklich alles sehr leid, Herr Kalf, aber ich habe keine Ahnung, was das mit mir zu tun hätte.«

»Das kann ich Ihnen sagen. Ich habe Ihnen ja am Telephon erzählt, daß ich in Marfa jemanden kennengelernt habe, an dessen Vater Sie sich erinnern werden. Ein deutscher Soldat, der nach der Kriegsgefangenschaft hierher nach Los Angeles kam: Hans Holdt.«

»Wie sagten Sie, hieß der Mann? Holdt?«

»Hans Holdt, ja.«

»Nein«, entgegnete sie, »diesen Namen kenne ich nicht.«

Elsa Meerkaz goß ihm noch ein Glas Limonade ein. Er sah ihr dabei zu und schwieg. Die Limonade war sehr sauer und kalt.

»Und Parsons?«

»Was ist mit Parsons?« Ihre Stimme hatte nun einen gereizten Unterton.

»Kannten Sie ihn gut?«

»John Parsons? Überhaupt nicht!«

»Er hat immerhin für Theodore von Kármán gearbeitet, wie Ihr Mann. Ich habe nichts über ihn in den Unterlagen gefunden, die Sie mir geschickt haben.«

»Eben. Es gab auch keinen Umgang mit Parsons. Wissen Sie: Parsons galt als etwas sonderbar. Als mein Mann 1941 seine Stelle bekam, arbeitete Parsons an einem Raketenprojekt, das von Kármán zwar leitete, aber eigentlich machte Parsons, was er wollte. Er war ja auch fast noch Student, sicher zehn Jahre jünger als mein Mann. Dort, wo sich heute das JPL befindet, das Jet Propulsion Laboratory, war damals alles noch Wüste. Dort, am Devil’s Gate, machte Parsons seine Raketenexperimente.«

»Und Sie sind ihm nie begegnet? Schließlich wohnten Sie damals auch in Pasadena.«

»Nein, nie. Parsons war ein Einzelgänger.«

»Hans Holdt erwähnt im Zusammenhang mit dem Namen ihres Mannes okkulte Praktiken.«

»Davon weiß ich nichts«, sagte Elsa Meerkaz und lächelte Kalf zu. »Es gab allerdings immer Gerüchte.«

»Was für Gerüchte?«

»Ach, Teufelsbeschwörungen und solches Zeug. Nach dem Krieg war man hier für derlei sehr empfänglich. Denken Sie nur an die Kommunistenjagd.«

»Aber Ihr Mann hat davon nie etwas erzählt?«

»Never!«

»Und wie kam es dann, daß er im Haus von John Parsons gestorben ist?«

Die Stille, in der Elsa Meerkaz ihn lange und ohne eine offensichtliche Gemütsregung betrachtete, klaffte sofort weit auf. Es schien nicht so, als dächte sie nach, und auch nicht, als wäre sie überrascht über seine Bemerkung. Ihr Blick war einfach dunkel und leer. Kalf hörte die Schreie der Falken. Es wurde kühler, und er bemerkte, daß die Sonne langsam verschwand. In seinem Traum, erinnerte er sich nun, war sie untergegangen. Er trank wieder von der Limonade und stellte das leere Glas vorsichtig ab.

»Wie kamen Sie eigentlich an dieses Haus?« fragte er ruhig.

Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. »Als wir nach L. A. kamen, erzählte uns jemand, daß so ziemlich jedes Haus auf diesen Hügeln zum Verkauf stehe. Wobei es hier damals kaum mehr als ein Dutzend Häuser gab. Das war während des Krieges. The people who had their business downtown didn’t have enough gasoline.«

Sie meine, das Benzin sei rationiert worden?

Ja. Ihr Mann habe aber durch seinen kriegswichtigen Job damit nie Probleme gehabt.

»It was built for Clara Bow, the famous actress. Man hat mir erzählt, sie habe in Spanien, in der Nähe von Sevilla, ein altes Schloß gefunden, and she found not only the castle, she also found the blueprints there, old blueprints. And she built the house here exactly after the blueprints.«

»Wollten Sie eigentlich nie nach Deutschland zurück?«

Sie tupfte sich mit der Serviette die Mundwinkel.

»I know people who even tried not to fly over Germany when they went to Austria or so. Und ich habe Leute gekannt, die nach Deutschland mußten, for a kind of business, und die niemals dort übernachtet hätten. They stayed in Switzerland. Und es gibt Leute, die nie mehr deutsch sprachen. They forgot their German almost.«

»Ging das vielen so?«

»No. That’s very few.«

Er sah, wie sie in dem Korbsessel zusammenzusinken schien, hinter sich die lautlosen Kolibris und dahinter das Meer. Die beiden alten Damen nach der Lesung in New York fielen ihm wieder ein. Das war am zwölften September gewesen.

»Waren Sie mal in den Canyons?« fragte Elsa Meerkaz unvermittelt und riß ihn aus seinen Gedanken. »Wenn Sie zum Beispiel hier die Straße weitergehen, hören die Villen irgendwann auf. Wissen Sie, was dann kommt?«

»Keine Ahnung.«

»Nichts. Die Wasserversorgung endet am Zaun der Grundstücke. Einen Meter neben dem satten Rasen, den die automatische Bewässerungsanlage jeden Abend um Punkt neunzehn Uhr sprengt, ist nichts als roter Staub.«

Er nickte.

»Wissen Sie«, fuhr sie fort, »das alles hier ist ein wenig paranoid. Alle kopieren etwas. Mal ist es Tudor, mal ein englisches Cottage, mal Südstaaten, mal ein mexikanisches Pueblo. Aber alle diese Träume richten sich ausschließlich nach innen, denn allem, was draußen ist, kann man nicht trauen. Armed Response. Bei Gefahr geht der Anruf automatisch an die Wachfirma.«

»Und?«

»Angst. Überall ist Angst.«

»Waiting for doomsday conscious unconscious«, zitierte Kalf.

»Was ist das?«

»Ein Gedicht: Die Bäume verneigen sich

Vor dem Wind vom Pazifik der Bescheid weiß

Über die Dauer der Millionenstadt

Waiting for doomsday conscious unconscious

Of its fate rising from past and Asia

»Das ist schön. Von wem?«

»Heiner Müller.«

»Kenne ich nicht.«

Er nickte. »Wo ist Liz?«

»Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht.«

Jeden Tag gibt es am Ocean Boulevard in Santa Monica den Moment, an dem die Jogger, deren Blick eben noch ins Leere ging, langsam auslaufen und aufschauen. Und die Penner, die dort in großen Gruppen den ganzen Tag lagern und ohne Unterlaß ihre Habseligkeiten von einer Tüte in eine andere packen, halten inne. Einige von ihnen kommen mühsam auf die Beine und gehen hinüber zu der behelfsmäßigen Balustrade an der Steilküste, die Jahr für Jahr ins Meer rutscht. Dort stehen dann schon das Pärchen in Flip-Flops und die Rothaarige mit dem verkniffenem Mund und der Rentner mit dem bunten Hemd und das schwule Paar. Unter ihnen der breite Sandstrand, verlassen nun und von einem staubigen Braun, auf dem sich die grau gestrichenen Holzbaracken der Strandwächter kaum abheben, die in regelmäßigem Abstand die ganze Bucht bis Malibu säumen.

Auf dem Pacific Coast Highway steht man um diese Zeit im Feierabendstau, und die Fahrer starren aus ihren SUVs hinüber aufs Meer, und ihre Blicke verlieren sich wie die all der anderen dort, wo jeden Abend das Rot gewittert.

Auch Niklas Kalf kurbelte in jenem Moment das Fenster herunter und roch das Salz. Ganz langsam ließ der Schock nach, nichts erfahren zu haben. Alle Hoffnungen, Hans Holdt wäre der Schlüssel für jenes Geheimnis im Leben von Eugen Meerkaz, das er noch immer nicht kannte, waren ganz umsonst gewesen. Umsonst hatte er wochenlang auf dieses Gespräch gewartet. Keine Ahnung, was er jetzt noch tun sollte. Die Erinnerung an Liz bekam eine Ausweglosigkeit, die schal zu schmecken begann. Er sah weit draußen auf dem Meer den schwarzen Schatten eines Tankers auf seinem Weg nach Süden. Der Himmel dahinter schimmerte in Rottönen, die langsam die Horizontlinie hinabschmolzen.

Jener Glanz, der die Jogger innehalten läßt, und von dem man sagt, daß viele allein deshalb aus der Stadt an den Strand kommen, um ihn zu sehen und sich in ihm zu spiegeln, hält nur wenige Minuten. Und während Niklas Kalf sich noch fragte, was er jetzt weiter tun sollte, verglomm der Himmel bereits und wurde stumpf, und alle beeilten sich, weiterzukommen, weg aus der Nacht, die nirgends so kalt und trostlos sein kann wie dort draußen am westlichen Horizont, wenn das Licht einmal verschwunden ist.

 

 

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Mittwoch 07. of September 2016
8. Tagung der International Feuchtwanger Society

Die Jüdin von Toledo: Spanienbilder aus dem kalifornischen Exil


Montag 21. of September 2015
Oppenheimer-Auszeichnung geht an Amadeu Antonio Stiftung

Erstmalige Verleihung der Auszeichnung in Stuttgart.

 

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Donnerstag 17. of September 2015
Bürgertheater Ludwigsburg führt die 'Akte Oppenheimer' auf

Premiere


Donnerstag 17. of September 2015
International Feuchtwanger Society Members Meeting / Mitglieder-Treffen

International Feuchtwanger Society

Members Meeting / Mitglieder-Treffen

Villa Aurora, Pacific Palisades
September 17, 2015

 

AGENDA

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 2.      Treasurer’s Report / Bericht des Schatzmeisters

 3.      Election of Officers / Wahl des...


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